aus der Grethener Geschichte


Rechtsstreit um richtigen Flusslauf

Großgrundbesitzer Dietze gräbt Grethener Müller im wahrsten Sinne des Wortes 1880 das Wasser ab.

Am Parthefluss befanden sich einst auch am Oberlauf mehrere Wassermühlen,die über Jahrhunderte hinweg die Kraft des fließenden Wassers nutzten.

Im Abschnitt Parthequelle von Glasten bis Erdmannshain gab es zahlreiche Wassermühlen.

Eine der ältesten war die Wassermühle in Grethen.

Aus einer Urkunde des Klosters Altzella vom Jahre 1360 kann entnommen werden,dass wohl ein gewisser Hans Muller der erste Besitzer der Wassermühle gewesen war.

Im Gerichtsbuch von Grimma Nr.111 findet sich ein Vertrag von 06.November 1629, in dem sich der Erb- und Gerichtsherr Hans von Ponikau auf Pomßen mit dem damaligen Müller zu Grethen , George Müller (wahrscheinlich ein damaliger Nachkomme des 1360 erwähnten Hans Muller), wegen der Mühlstatt und des alten Grethener Sees vergleicht.

Wie aus diesen und weiteren Nachrichten hervorgeht, ist also die Grethener Mühle von Anfang an eine Privat- und keine Rittergutsmühle gewesen.

Lediglich der alte Grethener See (Alte See) war Rittergutsbesitz.Die Grethener Mühle befand sich etwa 150 Meter unterhalb der künstlich angelegten "Alten See",die ursprünglich als wasserspeichernder Mühlteich diente und die heute den Kern eines etwa 26 Hektar großen Naturschutzgebietes bildet.

Vor Ende des II. Weltkrieges kam der Mühlenbetrieb in Grethen zum Erliegen. Ursache war der Tod des zur Wehrmacht eingezogenen letzten Müllers, Walter Vogt,für den sich kein Nachfolger mehr fand.

Mühltechnik, Wasserrad,Stauanlage sowie die Gebäude selbst verfielen deshalb in den darauf folgenden Jahren. Der ehemalige Mühlgraben ist heute, wenn auch etwas kleiner ,noch vorhanden.Nach wie vor wird er über die kleine Flut an der Nordspitze der "Alten See" gespeist.

Als die Mühle noch stand, floss er nach Passieren des Mühlrades unter dem Gebäude hindurch.

Aus Grethen und seiner Umgebung brachten die Bauern lange Zeit Jahr für Jahr ihr Getreide zum Mahlen in die Grethener Mühle. Auf dem gepflasterten Mühlenhof herrschte stets reges geschäftliches Treiben.

 

Eines Tages jedoch, es war Ende 1879- Anfang 1880 - kam das sonst immer ruhelose eicherne Wasserrad zum Stehen.

Dem angesehenen und geschätzten Grethener Lehrer und Heimatfreund Alfred Klaus  verdanken wir interessante Aufzeichnungen, wie es dazu kam und welche gravierenden Ereignisse dieses Vorkommnis nach sich zogen. 

Die florierende Mühle war schon lange vor dem genannten Ereignis jemandem ein Dorn im Auge.

Es handelte sich um den auf Schloß und Rittergut zu Pomßen herrschenden Großgrundbesitzer Johann Gottfried Dietze.

Zu den vormaligen Adelsgeschlechtern,die dort über Jahrrhunderte hinweg die Herren waren, zählte er nicht.In Willkür und Habsucht jedoch stand er ihnen keinesfalls nach.

Die Grethener Teiche , darunter die "Alte See" sowie der Münchteich auf Grimmaer Flur , gehörten damals zu dem Pomßener Großgrundbesitz. Im Eigentum der Rittergutsherrschaft befand sich auch die Pomßener Wassermühle.

Zum Ärger seines Besitzers Dietze hatte diese aber bedeutend weniger Kunden als die Grethener Mühle.

Schloß Pomßen
Schloß Pomßen
so könnte die Mühle in Grethen ausgesehen haben
so könnte die Mühle in Grethen ausgesehen haben

Die junkerliche Gerichtsbarkeit wurde 1877 abgeschafft.

Obwohl nun dadurch auch die Zeit der Dietzeschen Gerichte zu Pomßen und Naunhof, die sich unter anderem auch auf Grethen erstreckte ,

vorüber war, machte Dietze trotzdem weiter kurzen Prozess.

Er maßte sich an, ohne Einschränkungen weiter über ihm gefügige Untertanen herrschen zu können, und schickte eine Anzahl seiner Tagelöhner mit dem Befehl nach Grethen, die dortigen Wassermühle trocken zu legen.

Mit Spaten und Schaufeln bewaffnet , schlecht gekleidet und noch müde, sollen sie im Morgengrauen dort angekommen sein.

Vor Arbeitsbeginn traf in schneller und leichter Kutsche einer der Verwalter des Gutsherren Dietze am Tatort ein.

Die angerückten Tagelöhner wurden von ihm beauftragt, einen tiefen und breiten Graben vom Damm der "Alten See" in Höhe der sogenannten "Großen Flut"durch das davor befindliche busch- und baumbestandene Gelände zu graben und danach an dieser Stelle den Damm zu durchstechen.

Das üble Werk war bald vollendet und aus der "Alten See" schoss rauschend das Wasser zur Parthe. Es vergingen nur wenige Tage, bis sich schließlich das Wasserad der alten Mühle nicht mehr drehte.

Der Wasserstand in der "Alten See"senkte sich so stark, dass kein Wasser mehr in den Mühlgraben strömte und dieser hinter der Kleinen Flut bald trocken lag.

Dietze hatte sein Ziel erreicht und der Grethener Mühle das Wasser abgegraben.

Um das Jahr 1880 entstanden folgende volkstümliche Verse:

"Es rauschte der Bach,

und die Mühle die klapperte Tag und Nacht.

Aber Herrn Dietze auf Pomßen hat das keine Freude gemacht.

Er ließ einen Graben ausheben,dass Wasser lief aus dem Teich,

doch nicht mehr nach der Mühle.das war ein schlimmer Streich."

Der Müller Gottfried Ernst Morgenstern knirschte mit den Zähnen,die Bauern schimpften und fluchten, denn sie mußten nun ihr Getreide zum mahlen in die gutsherrschaftliche Pomßener Mühle bringen.


Der Müller verzweifelte jedoch nicht und verklagte den Rittergutsbesitzer. Der Prozess der Beiden wurde zunächst beim  Königlichen Amtsgericht in Grimma geführt. Bei den Verhandlungen soll Dietze in unverschämter Weise aufgetreten sein, indem er versuchte, mit groben Verläumdungen und Verdrehungen das recht auf seine Seite zu ziehen.Dieses war dann selbst den Grimmaer Richtern zu viel. Der Prozess wurde an das Leipziger Landgericht überwiesen und dort entschieden. Dietze wurde angewiesen den entstandenen Schaden wieder gut zu machen.

Dies akzeptierte er jedoch niccht und reichte statt dessen eine Berufungsklage ein. In Folge dessen kam es nun zu langwieriegen Verhandlungen vor dem Königlichen Oberlandesgericht in Dresden.

Der Berufungsklöäger Dietze wurde schließlich in Dresden verurteilt.

Im Urteilsspruch vom 27. November 1880 finden sich unter anderem folgende Zeilen: Es ist zu verlangen,dass ohne Noth kein Wasser aus der s.g. Alten See ,Parzelle 113 des Flurbuches für Grethen , durch die s.g. große Flut weggelassen, sondern das für die Mühle nöthiege Wasser , so viel als möglich, über die s.g. kleine Flut  der Mühle zugeleitet werde.

Die Kosten hat der Berufungskläger zu tragen.


Die Reste der alten Mühle heute !!



Das Gefecht bei Grethen 1761

 

Zur Zeit des siebenjährigen Krieges (dritter schlesischer Krieg)

ergab es sich, dass im Frühjahr des Jahres 1761 preußische sowie auch österreichische Truppen sächsische Landesteile durchstreiften und es wiederholt zu großen wie auch kleineren Gefechten kam.

 

Am 5.April 1761 begab sich der preußische General von Schenkendorf mit 5 Bataillonen Infanterie und einigen Eskadrons Kavellerie über Torgau nach Lüben.

In der Gegend von Leipzig gab es einige Scharmützel mit österreichischen Truppenkontingenten .

In der Nacht vom 08. zum 09 April versuchten die Österreicher die Preußen mit 4000 Mann leichter Infanterie das Grenadierbataillon von Rathenau im Dorfe Grethen bei Grimma zu überfallen und diesen die mitgeführten Kanonen wegzunehmen.

Dieser Anschlag wurde durch die Bravour und Contenauce des Batalillons , welches 486 Mann stark war, gänzlich vereitelt; indem sie schnellstens Aufstellung nahmen und unter dreistündigem Feuer auf dem freien Felde auf der anderen Seite des Dorfes seine Kanonen deckte und zum Einsatz brachte.

Das Bataillon verlor 41 Grenadiere nebst einem Tambour und acht Dragonern.

Die Österreicher hatten mit einer solchen starken Gegenwehr nicht gerechnet und zogen sich noch in den frühen Morgenstunden in Richtung Eilenburg zurück.Über ihre Verluste wurde nichts berichtet.

 

 

Fast 250 Jahre später findet der Landwirt Walter Sickert auf seinem Acker bei Grethen  eine Kanonenkugel.

Sie könnte von jenem Gefecht stammen.

Dieser Beitrag entstand unter Mitarbeit von Gerhard Krüger